Es ist nach meinem Empfinden um das Thema Second Life in der Presse sehr still geworden. Normalerweise könnte man annehmen, daß ein Hype, der die Medien in Atem hielt, abbricht, wenn man nicht mehr so sehr viel darüber mitbekommt. Hinsichtlich der Medien ist das mMn auch so, in der Realität, wenn man dieses Wort hier überhaupt so benutzen kann, sieht das anders aus. Schon im Oktober letzten Jahres konnte man im manager magazin ein interessantes Interview mit Mark Kingdon lesen, in dem der Chef von Linden Lab (die Firma, der Secondlife "gehört", auch wenn das nicht jeder gerne hört) berichtet, daß sie es geschaft haben, Gewinne zu machen.
mm.de: Machen Sie Gewinn?
Kingdon: Ja. Wir veröffentlichen keine Zahlen darüber, wie viel. Aber so viel kann ich sagen: Unser Gewinn wächst, wir haben keine Schulden, und wir wollen expandieren.
Das entsprach nicht meiner Vorstellung über einen sterbenden Hype, ich mußte meine Meinung auf den Prüfstand stellen und … wurde überrascht.
Nutzerzahlen
Um sich in die Welt von Second Life zu begeben, braucht man einen Client, den es für Windows, Linux und Mac hier gibt. Startet man dieses Programm – auch völlig ohne sich einzuloggen, dann sieht man die zum Zeitpunkt des Aufrufes aktuelle Summe der eingeloggten Benutzer und die lag "eben" ( 23.11.2010 – gegen 23.11h) bei ca. 70.000. Meine letzte Erinnerung an diese Zahl liegt mehr als ein Jahr zurück und da waren es nach meinem Gefühl ca. 50.000 im Schnitt und im Jahr des Hypes (2007) rauchten die Server ab, wenn mehr als 30.000 User gleichzeitig online waren. Leider finde ich keine genauen Analysen, die dies belegen können – ich muss mich also auf mein Gefühl verlassen. Um mein Gefühl zu untermauern, suche ich nach weiteren Hinweisen.
Soziale Netzwerke
Begibt man sich auf die Suche, so findet man recht schnell das deutsche Forum SLInfo.de, in dem nach eigenen Angaben "mehr als 22.000 Mitglieder" verzeichnet sind. Für ein rein deutsches Forum aus dem realen Leben, daß sich um ein virtuelles Leben dreht, finde ich das mehr als erstaunlich.
Wirklich interessant finde ich auch die Ergebnisse einer Facebook Suche, wenn man die Begriffe "Second Life" eingibt. Da findet man eine Gruppe "Second Life", die (Artikelzeitpunkt) fast 40.000 Mitglieder hat. Folgt man der Suchergebnisliste, dann finden sich etliche weitere Gruppen, die über mehrere hundert Mitglieder verfügen. Durchsucht man die Namen der Benutzer nach dem Begriff Secondlife, so findet man tatsächlich User, die sich als ihr Avatar von Secondlife bei Facebook angemeldet haben.
Man könnte meinen, die Avatare des Second Life wollen ausbrechen. Ausflüge in die 2D Welten der sozialen Netzwerke machen sie schon und haben sich dort ihre "Plätze" und Namen reserviert.
Bloggerszene
Was liegt näher als das ich, der hier ein kleines Blog betreibt, bei Google mal die Blogs durchsucht, um weitere Hinweise zu finden? Nichts! Mittlerweile war ich nicht mehr erstaunt, daß ich daraufhin eine "lebendige" Bloggerszene finde, in der topaktuell über Secondlife berichtet wird. Hier nur ein Beispiel.
Fazit
2007 gab es einen weltweiten Hype um Second Life, der durch TV Spots ausgelöst wurde. In Deutschland erlebte Second Life eine "Bekanntheitsexplosion", die durch einen Beitrag bei Stern-TV (?) auf RTL ausgelöst wurde. Danach wurde es "irgendwann" ruhig um dieses Thema, doch eine stetig steigende Userzahl (laut Kingdon pro Jahr +25% – siehe verlinkten Artikel oben), Foren und soziale Netzwerke, die mittlerweise die "zweite Heimat" der Avatare aus Second Life werden, sowie eine aktive Bloggerszene, sprechen eine deutliche Sprache.
2010 lebt Second Life und ist lebendiger als jemals zuvor.






ja und es wird sogar auch gelesen
Aktuelle und ältere Nutzerstatistiken die du nicht finden konntest gibt es hier auf dieser Webseite zum anschauen und noch viel mehr.
http://www.gridsurvey.com/economy.php
Interessanter Link – danke.
Daß die Parallelwelten zu Second Life in den Foren, den sozialen Netzwerken, einer aktiven Bloggerszene und auch bei Twitter wirklich aktiv sind, daran kann man eigentlich keinen Zweifel mehr haben.