Websperren – Zensur oder Hilfsmittel?

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Kaum ist die Diskussion über die beste Vorgehensweise gegen Kinderpornografie im Internet angefangen, da werden die Rufe nach Websperren laut. Sind Websperren aber wirklich das beste Mittel? Sind Websperren überhaupt ein Mittel gegen Kinderpornografie? Sind die Sperren der Kinderporno-Anbieter nur ein erster Schritt auf dem Wege zur Zensur des Internets?

Die Diskussion um Websperren wird in den letzten Wochen sehr konträr betrieben. Wie immer mischen sich Halbweisheiten mit Unwissen und vor allem plakativen Aussagen.

Um das Prinzip der Websperren zu erläutern, ohne die technische Möglichkeit des Umgehens offenzulegen, sei mir die folgende sehr vereinfachende Darstellung erlaubt:

Websperren sind kleine Programme, die bei den Providern laufen, die eine abgerufene Webseite mit einer Datenbank vergleichen. In der Datenbank sind Webseiten gespeichert, die nicht an den Surfer ausgeliefert werden sollen. Ist eine abgerufene Webseite in dem Filter, wird dem Surfer ein Stop-Schild angezeigt.

Leider ist die Umsetzung in der Realität nicht ganz so einfach und für einigermassen technisch nicht unbegabte Menschen auch relativ leicht zu umgehen.  Also muss man sich fragen, ob die Websperren überhaupt ein Mittel sind, um gegen Kinderpornografie vorzugehen. Das Argument, das jeder Klick weniger zählt wie in einem Artikel bei Heise vom 20.06.2009 ( Artikel ) erscheint mir zu voreilig. Der Drang der Menschen, die pädophil sind, wird durch Sperren nicht weniger. Darüber kann man sicherlich nicht streiten. Werden weniger Kinder missbraucht, wenn weniger Klicks im Internet auf die Webseiten kommen? Ich kann das nicht ausschließen,denn es sind neben den pädophilen die finanzielle Interessen, die das Angebot bestimmen.

Alleine die Tatsache, daß man es nicht ausschließen kann und die Wichtigkeit dieses Themas (es geht um Kinder!!) läßt es für mich dringend erscheinen, schnell zu handeln. Die Juristen und Politiker weltweit haben schon viel zu lange geschlafen. Websperren "können" ein Mittel der ersten Wahl sein, wie ein Akutmedikament gegen die Folgen einer Krankheit ABER sie sind nicht die Lösung. Websperren bringen auch Gefahren mit sich. Schon jetzt diskutieren einige Politiker darüber, die Websperren auch für andere Inhalte zu nutzen. Aus dieser Diskussion "kann" eine Zensurpolitik werden, die unbedingt zu vermeiden ist.

Des weiteren MUSS man sich darüber im klaren sein, daß alleine das Wegschauen (nichts anderes machen Websperren) auch Gefahren birgt. Wird das Thema Kinderpornografie dann im aktuellen Mediengeschehen und damit auch im Bewußtsein der Menschen vergessen? JA, auch diese Tendenz kann man meiner Meinung nach nicht ausschließen und auch hier muss angesetzt werden. Es DARF NICHT dazu kommen, daß wir nicht mehr hinsehen und glauben, die Welt da draußen sei in Ordnung, nur weil wir uns Scheuklappen aufsetzen oder uns ganz einfach nicht mehr mit einem Thema beschäftigen.

Wenn wir in einem Haus sind, die Haustüre und die Fenster sind geöffnet, und wir hören und sehen, daß draussen etwas Kriminelles geschieht, dann hilft es NICHT, wenn wir die Tür und die Fenster schliessen, nur damit wir nichts mehr hören und sehen.

Vor diesem Hintergrund DARF AUF GAR KEINEN Fall das Thema Kinderpornografie vergessen werden und wie an diesem Thema weiter gearbeitet wird, gehört meiner Meinung nach dringend in die Diskussion.

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