Kürzungen oder gar gänzliche Streichung staatlicher Leistungen gegenüber den Bürgern findet sich im aktuellen Volksmund unter der Bezeichnung “Sozialabbau” wieder.

Es gibt die verschiedensten Ausprägungen des Sozialabbaus. In dem Sektor der Arbeitslosigkeit finden sich Sanktionen in Form einer Kürzung der monetären Unterstützung des Einzelnen.

Jens Berger beschreibt in seinem Blog “Der Spiegelfechter” die aktuellen Ursachen und Größenordnungen in seinem Beitrag “Sanktionen wegbloggen” am 07.10.2009:

54% aller Sanktionen werden wegen Meldeversäumnissen ausgesprochen, 17% wegen einer Verletzung der Eingliederungsvereinbarungen – dies bedeutet beispielsweise, dass der Hilfsbedürftige weniger Bewerbungen schreibt, als es ihm vorgeschrieben ist. Nur 20% der Sanktionen betreffen Weigerungen, eine angebotene Arbeit, Ausbildung oder Maßnahme anzunehmen. Sanktioniert werden also nicht primär die Arbeitsunwilligen, sondern diejenigen, die – aus welchen Gründen auch immer – mit den bürokratischen Idealvorstellungen deutscher Ämter nicht zurechtkommen. Je jünger die Hilfebedürftigen sind, und je niedriger in der betreffenden Region die Arbeitslosigkeit ist, desto häufiger wird sanktioniert. Dem 55jährigen Langzeitarbeitslosen in Brandenburg wird also eher zugestanden, sich in der sozialen Hängematte auszuruhen, als dem 20jährigen Schwaben.

Es wird deutlich, daß die Sanktionsarten und –ausmaße durchaus abhängig vom Betroffenen und dem Ort des Geschehens sind.

Nach langen Recherche-Arbeiten fand man nun endlich historische Indizien dafür, daß dieser Sozialabbau höchstwahrscheinlich historisch bedingt ist. Schon weit vor dem Jahr 1848 erzählte man sich die Begebenheit der schmarotzenden Minderheit der Bergmännchen in Iburg:

Mündlich.

In Iburg haben sich früher viele Bergmännchen aufgehalten, die haben dort bei einem Bauer besonders einen Schimmel gefüttert, der ist stets viel beßer im Stande gewesen als die andern Pferde und oft hat man eine Stimme rufen hören: »noch ‘ne matte f ûrn witten!« Auf den Spinnrädern dieses Bauern hat auch nie der Flachs gefehlt und sein Brot ist immer viel schöner gewesen als das anderer Leute. Weil nun niemand gewußt, woher das kam, hat mal ein Knecht beschloßen, dahinter zu kommen, hat sich über Nacht versteckt und da gesehen, wie eine Menge kleiner Bergmännchen in ganz zerlumpten Kleidern hervorgekommen sind. Da hat er alles dem Bauer erzählt und der hat sogleich ganz neue Kleider hingelegt, welche auch am andern Morgen fort waren; aber seitdem sind auch die Bergmännchen nicht wiedergekommen.

Quelle: Adalbert Kuhn / W. Schwartz: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Leipzig 1848, S. 311-312.

Es wird hiermit erstmalig dokumentiert, wie sich eine Minderheit sozialverweigernd und gemeinunnützig verhielt, nachdem eine freiwillige Sozialleistung des Gemeinwesens erbracht wurde.

Adalbert Kuhn nannte in seinem Werk leider keine Namen. Die Bezeichnung “Bergmännchen” als Umschreibung für eine Volksgruppe, die die Hängematte des Sozialstaates ausnutzt, muß hier metaphorisch betrachtet und interpretiert werden.

Warum die historischen Aufzeichnungen Kuhns als Ort das heutige Bad Iburg benennen, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt der Auswertungen noch unklar.

Über weitere Fortschritte der Analysen wird hier weiterhin brandaktuell berichtet ;-)

 

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